Du bist ein Gott, der mich sieht.             1. Mose 16, 13

Der gekürzte Bibelvers steht auf den ersten Seiten der Bibel im Alten Testament. Gott schreibt Geschichten über Menschen, die sich lieben und streiten, von Scheitern und Neuanfängen, von Glauben und Zweifeln.

Der Vers „Du bist ein Gott, der mich sieht“ bezieht sich auf eine dramatische Geschichte. Es geht um das Ehepaar Abram und Sarai. Auf Gottes Zusage hin wagen sie den Aufbruch in ein fremdes Land. Abram und Sarai leben bereits seit 10 Jahren als Fremdlinge im verheißenen Land Kanaan.

Sarai konnte keine Kinder bekommen. Darüber waren beide untröstlich. Sie hatten eine ägyptische Magd, die hieß Hagar. „Und Sarai sprach zu Abram, geh doch zu meiner Magd, ob ich vielleicht durch sie zu einem Sohn komme. Und Abram gehorchte der Stimme Sarais.“ Sarais Magd sollte die Rolle einer Leihmutter übernehmen, das war im Alten Orient nichts Ungewöhnliches. Hagar wurde schwanger. Die Schwangerschaft sorgte aber für erhebliche Konflikte zwischen Hagar und Sarai.

Nun sah Hagar auf Ihre Herrin herab. Sarai und Hagar stritten und demütigten sich. Sarai beschwerte sich bei Abram und der sagte zu ihr: Tu mit ihr, was du willst. Sarai machte Hagar daraufhin das Leben so schwer, dass sie voller Verzweiflung weglief. Sie fühlte sich einsam, verstoßen und gedemütigt.

Hagar flüchtete in die Wüste Schur. Gott ließ sie nicht allein. Er schickte einen Boten zu ihr, und der befahl Hagar, zurückzukehren und sich ihrer Herrin unterzuordnen. Der Bote prophezeit, dass Hagar so viele Nachkommen bekommen wird, „dass sie der großen Menge wegen nicht gezählt werden können.“ Hagar betete an einer Wasserquelle zu Gott:

„Du bist ein Gott, der mich sieht.“ Hagar hat das Gefühl, so gesehen zu werden, wie sie ist, sie wird von Gott nicht fallen gelassen, sondern ermutigt.

Die Jahreslosung 2023 thematisiert etwas, mit dem wir schon seit Jahren konfrontiert sind, heute mehr denn je, gerade durch den Krieg in der Ukraine, der sozusagen vor unserer Haustür stattfindet. Flucht und Vertreibung sind die Folge.

Die Vertreibung und Wüstenerfahrung von Hagar ist verbunden mit Gefühlen von Leere, Erschöpfung, Mutlosigkeit, mit vielen Gedanken. Was soll werden, wie geht es weiter?

Wie geht es uns damit? Wie wird das nächste Jahr für uns aussehen? Die Inflation, hohe Energiepreise, Kriege, Terror, Nachwirkungen der Corona Pandemie und vieles mehr werden uns weiter beschäftigen, in welchem Ausmaß, wissen wir nicht.

Wir dürfen das immer wieder im Gebet vor Gott bringen, ihm auf die Nerven gehen mit unseren Gebeten, mit der Bitte, Veränderungen zu schaffen, damit Frieden eingekehrt, Missverständnisse geklärt und neue Kräfte mobilisiert werden können.

Gott sieht mich, jeden von uns, wie wir sind. Gott übersieht uns nicht, er nimmt uns wahr, er schenkt uns Aufmerksamkeit. Jeder hat sein Päckchen zu tragen, aber das Wunderbare ist, dass Gott uns mit diesen Päckchen sieht und uns hilft sie zu tragen.

Für das Jahr 2023 wünsche ich mir, dass das Elend der Völker, die unter Krieg und Terror zu leiden haben, durch Gottes Eingreifen ein Ende findet, dass Hungersnöte erkannt und bekämpft werden, dass humaner mit Flüchtlingen umgegangen wird, dass wir alle mit Gottes Hilfe durch die schwierigen und herausfordernden Zeiten kommen.

In einem Liedvers heißt es: „Du, Herr, heißt uns hoffen und gelassen vorwärts schauen. Deine Zukunft steht uns offen, wenn wir dir fest vertrauen.”

Ich wünsche allen Lesern ein friedvolles, gesundes und gesegnetes neues Jahr!

Herzliche Grüße

Thomas Krannich

Aktueller Gemeindebrief

Klicken Sie hier um unseren aktuellen Gemeindebrief als PDF-Datei herunterzuladen.