• Sonntag 10:00 Uhr

Gedanken für den Mai und Juni 2026

Ein T in der Tasse: Warum unser Glaube in Bewegung bleibt

Liebe Gemeinde, 

kürzlich erlebte ich zu Hause eine Szene, die mich erst zum Schmunzeln und dann zum Nachdenken brachte. Mein zweijähriger Sohn und ich spielten zusammen, und da ich Lust auf einen echten Tee hatte, wollte ich ihn einbeziehen: wir kochen gemeinsam eine Tasse Tee.

Ich: „Schau mal, hier hast du einen Teebeutel. Kannst du den bitte für mich in die Tasse tun?“ 
Sohn: „Ja, gern!“ (Er nimmt den Beutel und legt ihn ganz stolz in die Tasse.) 
Ich: „Vielen Dank! Jetzt gieße ich das heiße Wasser auf.“
Während ich das Wasser ergoss, flitzte der Kleine kurz in seine Spielecke und kam kurz darauf mit seiner kleinen Spielzeug-Tasse zurück.
Sohn: „Mama, Mama! Ich habe auch einen Tee für dich gekocht!“ 
Ich: „Oh, wie schön! Zeig mal her.“

Ich schaute in die kleine Tasse und musste lachen:  darin lag kein Beutel, sondern ganz buchstäblich der hölzerne Buchstabe T.

Ein_Tasse_T.jpeg

In der Welt meines Sohnes war das absolut richtig. Er hatte die Aufgabe verstanden und sie mit dem Wissen umgesetzt, dass er mit seinen zwei Jahren hat. Er wollte mir Freude machen, und das ist ihm vollkommen gelungen. Die kleine Geschichte zeigt mir, wie wir oft mit Gottes Wort umgehen. Wir alle verstehen und deuten es so, wie es unserem derzeitigen Stand im Leben entspricht. Das ist nicht falsch, sondern es zeigt einfach, wo wir gerade geistlich stehen. 

Denn Glaube ist kein fertiger Zustand, sondern eine Bewegung. Was ein Kind mit zwei Jahren versteht, wird es mit fünf Jahren anders sehen und mit fünfundfünfzig noch einmal ganz neu begreifen. Geistlich zu wachsen ist ein lebenslanger Prozess, zu dem uns die Bibel immer wieder ermutigt. Dass wir uns weiterentwickeln dürfen, beschreibt der Apostel Paulus im 1. Korintherbrief 13,11 sehr passend:

„Als ich ein Kind war, da redete ich wie ein Kind und dachte wie ein Kind und war klug wie ein Kind; als ich aber ein Mann wurde, tat ich ab, was kindlich war.“

Das bedeutet nicht, dass der kindliche Glaube schlecht war. Er war einfach der Anfang eines Weges. Aber wir sind eingeladen, uns weiterzuentwickeln. Im Hebräerbrief 5,12 werden wir sogar ziemlich direkt dazu aufgefordert:

„Denn obwohl ihr der Zeit nach längst Lehrer sein müsstet, habt ihr es wieder nötig, dass man euch die Anfangsgründe der Aussprüche Gottes lehrt; und ihr seid solche geworden, die Milch nötig haben und nicht feste Speise.“

Diese Worte sind eine liebevolle Ermutigung, den nächsten Schritt zu wagen. Ich möchte euch einladen: Habt den Mut, wachsen zu wollen! Bleibt neugierig auf Gott und traut euch zu, tiefer zu graben. Es ist völlig in Ordnung, wenn wir heute Dinge anders verstehen als vor zehn Jahren. Das zeigt nur, dass unser Glaube lebt und atmet.

Deshalb lasst uns als Gemeinde ein Ort sein, der ein geduldiges Miteinander lebt und so einen Raum öffnet, in dem Wachstum möglich wird. Egal, ob du gerade erst anfängst und bildlich den ‚Buchstaben T‘ in der Tasse hast, oder ob du schon bereit für ‚feste Nahrung‘ im Glauben bist: Gott sieht dein Herz und die Freude, mit der du ihm begegnest. Lasst uns diese Freude am Lernen und Wachsen gemeinsam teilen und uns gegenseitig dabei unterstützen.

Herzliche Grüße,

Eure Pastorin
Jacqueline Mieth